von Wolfgang Friedl

Ziele, die tragen: Von Kennzahlen zu Klarheit im Team.

„Wir müssen die Kennzahlen verbessern." Diese Aussage kennen Sie wahrscheinlich. Umsatz steigern, Kosten senken, Effizienz erhöhen. Die Zahlen zeigen, wo es langgeht. Zumindest auf dem Papier.

In der Realität erlebe ich oft etwas anderes: Teams arbeiten hart, die Zahlen werden erreicht – aber trotzdem herrscht Unzufriedenheit. Die Stimmung ist angespannt, Konflikte schwelen unter der Oberfläche, und die Mitarbeitenden fragen sich zunehmend: Wofür machen wir das eigentlich?

Das ist eine der zentralen Herausforderungen, vor denen Führungskräfte heute stehen: Wie schaffe ich Ziele, die nicht nur messbar sind, sondern auch wirklich tragen? Ziele, hinter denen das Team steht und die echte Orientierung geben?

Wenn Kennzahlen allein nicht ausreichen

Verstehen Sie mich nicht falsch: Kennzahlen sind wichtig. Sie geben Orientierung, ermöglichen Steuerung und schaffen Transparenz. Aber sie haben eine entscheidende Schwäche: Sie zeigen das „Was" und „Wie viel", nicht das „Warum" und „Wie".

Was bedeutet das konkret? Nehmen wir ein klassisches Beispiel:
Ein Vertriebsteam soll seinen Umsatz um 20 Prozent steigern. Die Zahl ist klar, messbar, eindeutig. Aber was passiert in der Praxis?

  • Mitarbeiter A konzentriert sich auf Schnellabschlüsse – die Qualität der Kundenbeziehungen bleibt auf der Strecke.
  • Mitarbeiterin B arbeitet rund um die Uhr – und steht kurz vor dem Burnout.
  • Mitarbeiter C erreicht seine Quote – aber nur, weil er Kunden Versprechen macht, die das Unternehmen nicht halten kann.

Die Kennzahl wird erreicht. Aber zu welchem Preis?
Das Problem: Kennzahlen allein sagen nichts darüber aus,

  • wie Menschen zusammenarbeiten sollen,
  • welche Prioritäten sie setzen und
  • auf welche Weise sie ihre Ziele erreichen.

Was macht Ziele tragfähig?

Ein Ziel, das trägt, ist mehr als eine Zahl. Es gibt Antworten auf drei zentrale Fragen:

  1. Was wollen wir erreichen? (Die messbare Ebene)
  2. Warum ist das wichtig? (Die Sinn-Ebene)
  3. Wie wollen wir es erreichen? (Die Werte-Ebene)

Erst wenn alle drei Fragen beantwortet sind, entsteht Klarheit im Team.

Beispiel: Vom reinen Zahlenziel zum tragfähigen Ziel

Variante 1 – nur die Kennzahl:
„Wir steigern den Umsatz um 20 Prozent."

Was fehlt? Der Kontext. Das Warum. Das Wie. Mitarbeitende wissen, was sie erreichen sollen – aber nicht, wozu und auf welche Weise.

Variante 2 – das tragfähige Ziel:
„Wir steigern den Umsatz um 20 Prozent, indem wir unseren Bestandskunden noch bessere Lösungen bieten und neue Kunden durch echte Beratungsqualität gewinnen. Dabei achten wir auf eine gesunde Balance zwischen Leistung und Wohlbefinden im Team."

Was ist anders? Das Ziel hat jetzt eine Richtung. Es ist klar, wie das Team arbeiten soll (durch Beratungsqualität, Fokus auf Bestandskunden) und welche Haltung dabei wichtig ist (gesunde Leistungskultur, Zusammenarbeit).
Das Ziel wird greifbar. Es wird zum gemeinsamen Kompass.

Von der Unklarheit zur Klarheit: Der Weg zum tragfähigen Ziel

Wie kommen Sie nun von reinen Kennzahlen zu Zielen, die wirklich tragen? Hier sind vier konkrete Schritte:

1. Machen Sie den Sinn sichtbar

Menschen wollen verstehen, warum sie etwas tun. Ein Ziel, das nur eine Zahl ist, fühlt sich leer an. Ein Ziel, das einen Beitrag leistet, motiviert.
Fragen Sie sich:

  • Warum ist dieses Ziel wichtig für unser Unternehmen?
  • Welchen Beitrag leistet es für unsere Kunden?
  • Was wird möglich, wenn wir dieses Ziel erreichen?

Aus „Wir wollen die Durchlaufzeit um 20 Prozent senken" wird: „Wir wollen die Durchlaufzeit um 20 Prozent senken, damit unsere Kunden schneller die Lösungen bekommen, die sie brauchen – und wir als Team stolz auf unsere Reaktionsfähigkeit sein können."

2. Klären Sie das „Wie" – die Werte hinter dem Ziel

Jedes Ziel sollte nicht nur sagen, was erreicht werden soll, sondern auch, wie der Weg dorthin aussehen soll. Welche Werte leiten unser Handeln?

Beispiele:

  • Kundenorientierung: Wir erreichen unsere Ziele, indem wir echten Mehrwert für unsere Kunden schaffen.
  • Zusammenarbeit: Wir erreichen unsere Ziele gemeinsam, nicht gegeneinander.
  • Qualität: Wir erreichen unsere Ziele mit Sorgfalt, nicht mit Schnellschüssen.
  • Gesunde Leistungskultur: Wir erreichen unsere Ziele nachhaltig, nicht auf Kosten unserer Gesundheit.

Diese Werte geben dem Team Orientierung – besonders in komplexen Situationen, in denen es keine eindeutige Antwort gibt.

3. Schaffen Sie Passung zwischen Team und Zielen

Ein tragfähiges Ziel berücksichtigt, wo das Team gerade steht. Nicht jedes Team ist gleich. Nicht jedes Team hat die gleichen Werte, die gleiche Energie, die gleichen Rahmenbedingungen.
Mit einem Tool wie den 9 Levels of Value Systems können Sie sichtbar machen:

  • Welche Werte Ihr Team aktuell prägen
  • Wo es Spannungen zwischen verschiedenen Wertesystemen gibt
  • Welche Entwicklungsschritte notwendig sind, um das Ziel zu erreichen

Ein Beispiel: Ein Team, das stark auf Stabilität und klare Strukturen ausgerichtet ist, wird mit einem Ziel wie „Wir werden agiler und experimentierfreudiger" zunächst überfordert sein. Hier braucht es Zwischenschritte, die das Team mitnehmen – sonst verpufft das Ziel.

4. Übersetzen Sie das Ziel in konkrete Handlungen

Ein gutes Ziel bleibt nicht abstrakt. Es wird konkret. Es wird greifbar.
Fragen Sie:

  • Was bedeutet dieses Ziel für mich als Führungskraft? Welches Verhalten lebe ich vor?
  • Was bedeutet es für jeden einzelnen Mitarbeitenden? Welche konkreten Schritte sind nötig?
  • Wie messen wir Fortschritt – nicht nur in Zahlen, sondern auch in Qualität und Zusammenarbeit?

Aus dem abstrakten Ziel wird ein lebendiges Vorhaben, das im Alltag Wirkung zeigt.

Klarheit entsteht im Dialog

Eines ist entscheidend: Ziele, die tragen, entstehen nicht am Schreibtisch der Geschäftsführung. Sie entstehen im Dialog mit dem Team.
Wenn Mitarbeitende verstehen, warum ein Ziel wichtig ist – und wenn sie mitgestalten können, wie dieses Ziel erreicht wird – dann entsteht Commitment. Dann wird aus einem aufgesetzten Ziel ein gemeinsamer Weg.
Das bedeutet nicht, dass Führungskräfte keine Ziele vorgeben dürfen. Aber es bedeutet, dass diese Ziele im Team diskutiert, hinterfragt und mit Leben gefüllt werden sollten.

Fragen, die Sie im Team besprechen können:

  • Was bedeutet dieses Ziel für uns konkret?
  • Welche Werte sollen unser Handeln leiten?
  • Was brauchen wir, um dieses Ziel zu erreichen?
  • Wo sehen wir Hindernisse – und wie können wir sie überwinden?

Dieser Dialog schafft Klarheit. Und Klarheit ist die Grundlage für Vertrauen und Motivation.

Zum Schluss: Von Kennzahlen zu Klarheit – ein Kulturwandel

Der Weg von reinen Kennzahlen zu tragfähigen Zielen ist mehr als eine methodische Veränderung. Es ist ein Kulturwandel.
Es bedeutet, dass Führung nicht nur über Zahlen steuert, sondern über Sinn und Werte. Es bedeutet, dass Teams nicht nur „funktionieren", sondern verstehen, wofür sie ihre Energie einsetzen. Es bedeutet, dass Ziele nicht nur erreicht, sondern getragen werden. Dieser Wandel braucht Zeit. Er braucht Mut. Er braucht die Bereitschaft, gewohnte Pfade zu verlassen und neue Fragen zu stellen.

Aber er lohnt sich. Denn am Ende steht ein Team, das nicht nur effizient arbeitet, sondern auch weiß, wofür es das tut. Ein Team, das hinter seinen Zielen steht. Ein Team, das gemeinsam wächst.


Sie möchten tragfähige Ziele für Ihr Team entwickeln?
Gerne unterstütze ich Sie dabei, von reinen Kennzahlen zu echter Klarheit zu kommen. Mit wissenschaftlich fundierten Methoden wie den 9 Levels of Value Systems machen wir sichtbar, wo Ihr Team steht – und entwickeln gemeinsam Ziele, die wirklich tragen.

Lassen Sie uns darüber sprechen. Gerne bei einer Tasse Espresso.

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